Donnerstag, 13. Januar 2011

Kaliwerk "Prinz Adalbert"


Die Geschichte des Kalischachts "Prinz Adalbert" beginnt am 6. Juni 1906 mit den Abteufarbeiten. Bereits sechs Jahre zuvor wurden ein Wartevertrag und Grundstückskaufverträge mit Oldauer Bauern abgeschlossen. Mit sieben Flachbohrungen und vier Tiefbohrungen wurden die unterirdischen Kalilagerstätten erkundet. Eine dieser Bohrungen führte bis zu 1.613 Meter tief unter die Erdoberfläche und war damit die tiefste Kalibohrung zu dieser Zeit in Deutschland.

Gebaut wurde 1905 zunächst eine Kalksandsteinziegelei. Aus dem vorhandenen Sand wurden weiße Bauziegel vor Ort hergestellt und gaben dem daraus hergestellten Kaliwerk eine bis dahin nicht gekannte formale Gestaltung. Das Strandbad Ovelgönne ist diesem Sandabbau zu verdanken. Die Abbaumulde füllte sich im Laufe der Zeit mit Wasser und wird seit Anfang der 1960er Jahre als Badesee genutzt.

 

1925 wurde der Kalischacht wieder geschlossen - bis zu diesem Zeitpunkt wurden 3,8 Millionen Doppelzentner Kali in Ovelgönne abgebaut. Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Salzförderung begrenzt, die Fördermenge auf Steinförde (Wietze) übertragen und die Tagesanlagen des Werks in Ovelgönne abgerissen.
Um das Grubengebäude vor eindringenden Tageswässern zu sichern und damit das allmähliche Absaufen des Schachts zu verhindern, brachte man 1926 - ein Jahr nach der Stilllegung - in 288 m Tiefe einen Betonpfropfen ein und ließ hierüber die Grubenwässer im Schacht aufsteigen.


In den 1930er Jahren gewann der Kalischacht noch einmal Bedeutung: Das Militär wollte ihn zusammen mit der Lufthauptmunitionsanstalt Hambühren als Lagerstätte für Munition nutzen. Die Luftwaffe ließ die Arbeiten am Schacht als Bestandteil der bereits im Bau befindlichen Muna Hambühren durch die Firma Gebhardt & König beginnen. Man sümpfte den Schacht, gelangte bis auf den Betonpfropfen und begann mit den Aufwältigungsarbeiten.
Am 1. November 1942 ließ das Luftgaukommando XI in Hamburg jedoch die Arbeiten wegen allzu starker Wasserzuflüsse einstellen. Schachtsicherungsarbeiten wurden jedoch auch weiterhin durchgeführt.

Zum Ende des Krieges wurde der Schacht Prinz Adalbert schließlich für die Untertageproduktion ausgesucht. Rüstungsminister Speer verkündete am 8. März 1944: "Für eine vordringliche Luftwaffen-Fertigung der Firma Focke-Wulf wird die Kali-Grube Prinz-Adalbert-Schacht mit einer Größe von 40.000 m³ für immer gesperrt". Diese Aktion erhielt den Tarnnamen "Hirsch".
Mit Zuchthäuslern und Zwangsarbeitern wurden die unterirdischen Hallen für den Flugzeugteilebau hergerichtet. Es sollten dort Teile für das zweisitzige Nachtjagdflugzeug Focke-Wulf TA 154 gefertigt werden. Bis Kriegsende wurden zwar drei Hallen fertig gestellt, jedoch kam die Produktion nicht mehr in Gang.

Der Chronist Hans Hövelmann erinnert sich, dass am 12. April 1945, nachdem die Engländer nach Ovelgönne kamen, plötzlich Leute ins Dorf kamen. "Sie sind mit Leitern aus dem Schacht geklettert, hatten Glatzen und schneeweiße Haut, weil sie kein Tageslicht gesehen hatten. Sie sind durchs Dorf geschwirrt und haben um Kleidung gebeten." Die Rede ist hier von Zwangsarbeitern, die bis dahin unter Tage eingesetzt wurden.
Im Mai 1945 wurden zugenagelte Holzkisten mit Werkzeugmaschinen und Maschinenteilen im Schacht vorgefunden und geborgen.


Nach dem 2. Weltkrieg musste der Eigentümer, die "Kaliwerke Prinz Adalbert AG i. L." (in Liquidation) den Schacht auf Anordnung der britischen Militärregierung als Reserve-Kaliwerk instand halten. Die Firma Gebhardt & König wurde daraufhin mit der Wiederaufnahme der bereits zu Kriegszeiten fehlgeschlagenen Dichtungsarbeiten beauftragt, die dann im Frühjahr 1949 beendet waren. Nach erneutem Verschluss des Schachtes wurde dieser über eine Fördereinrichtung bis zu 270 m zwecks Überwachung regelmäßig befahren. Die Grubenbaue zwischen 640 und 680 m, die während des Krieges zur Munitionseinlagerung bzw. Flugzeugteilefertigung vorgesehen waren, konnten nun nicht mehr befahren werden, da in ihnen Lauge stand. Die Militärregierung ließ sie zumauern und somit unzugänglich machen.

Ende der 1960er Jahre sollte die nunmehr zur Wintershall AG gehörige Schachtanlage geflutet werden. Doch dazu kam es nicht mehr, da die beiden über die 640 m-Sohle verbundenen Schächte bereits dabei waren abzusaufen, weil im Schacht Hambühren marode und gerissene Tübbinge den Weg für das Wasser frei gemacht hatten.


Die letztmalige Nutzung von Schacht Prinz Adalbert erfolgte als Altlastendeponie, indem die Reste des von den Briten auf dem Schachtgelände gesprengten Lutzschutzbunkers des 2. WK geräumt und in den Schacht gekippt wurden. Außerdem wurde mit Erdöl kontaminierter Boden in großem Umfang in den Schacht verbracht. Dieser Schlamm kam aus dem Erdölfeld Fuhrberg-Ost.

Lange erinnerten noch die Abraumhalden an den Kaliabbau, doch auch von diesen ehemals drei Halden ist heute, bis auf die wenigen Überreste der größten Halde, so gut wie nichts mehr zu sehen.


Im Jahr 1995 wurde auf Anordnung des Bergamtes Celle der Schacht endgültig verschlossen. Auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Schachtanlage ist inzwischen ein Wohngebiet entstanden.



Quelle (Bild und Text) Auszüge aus a) Cellesche Zeitung vom 14. Sept. 2006; b) Heft "Entstehung von Ovelgönne" von Rainer Fabisch

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